World Cafe, Fish Bowl und Open Space

Alternativen zu herkömmlichen Konferenzmodellen

World Café, Fishbowl und Open Space sind drei Formate, die das bei Konferenzen ermöglichen. Alle vorgestellten Methoden setzen auf Austausch statt Frontalbeschallung und brechen mit starren Vortragshierarchien. Das Motto: Gutes Essen – gute Gespräche – gute Gedanken. Von der Tagesordnung bis zum Tagesfazit gestalten alle mit.

Breakout Session

In einer Breakout Session diskutieren kleine Gruppen (bis zu 10 Personen) aus Teilnehmenden bestimmte Aspekte des Konferenzthemas.

Oft passiert das im Anschluss an einen kurzen Impulsvortrag oder innerhalb eines moderierten Workshops. Der Vorteil: Die überschaubare Gruppengröße fördert die aktive Beteiligung und macht es leichter, sich auch mal spontan zu Wort zu melden. Deshalb sind Breakout Sessions längst nicht mehr nur bei interaktiven Formaten zu finden. Selbst klassische Konferenzen reservieren inzwischen feste Zeitfenster für parallele Sessions.

ℹ️Kurz-Info: Breakout Session bei Konferenzen

🎯Wofür ist sie geeignet?
Ziel- oder Fallbesprechungen: wenn es darum geht, gemeinsam den besten Lösungsweg zu finden. Auch zur Ideenentwicklung oder zum Erfahrungsaustausch setzen Sie Breakout Sessions bei Ihrer Konferenz optimal ein.

👥Für wen eignet sie sich?
Forschung, Medizin, Produktentwicklung – überall dort, wo Wissen geteilt und gemeinsam weitergedacht wird.

🧪Anwendungsbeispiel für eine Breakout Session
In der Onkologie etwa kommen im sogenannten Tumorboard Vertreter:innen verschiedener Fachrichtungen (Radiologie, Neurologie, Onkologie) zusammen, um gemeinsam den besten Therapieansatz für einzelne Patient:innen zu diskutieren. Das ist eine klassische Breakout-Situation, bei der Teamarbeit über Hierarchien steht.

Barcamp

Barcamps funktionieren nach einem ganz eigenen Prinzip und das macht sie so spannend. Im Gegensatz zur Breakout Session, die oft Teil eines klassischen Konferenzprogramms ist, stellt ein Barcamp die Konferenz selbst auf den Kopf. Nicht umsonst nennt es sich gern Unkonferenz.

Die Idee stammt ursprünglich aus der IT-Szene. Dort traf man sich über ein Wochenende, übernachtete im Zelt (daher der Begriff „Camp“) und tauschte sich in offener Atmosphäre über aktuelle Fragen aus. Die Besonderheit: Die Agenda existiert vorher noch gar nicht. Sie entsteht erst vor Ort.
Alle Teilnehmenden schlagen zu Beginn Themen vor, und wer möchte, moderiert selbst eine Session.
Das Ergebnis: maximale Beteiligung, relevante Inhalte, greifbare Ergebnisse.

ℹ️Kurz-Info: Barcamp

🎯Wofür ist es geeignet?
Um gemeinsam konkrete Fragestellungen zu lösen oder neue Themen zu erkunden. Starre Zeitpläne oder feste Rollenverteilung gibt es dabei nicht.

👥Für wen eignet es sich?
Längst nicht mehr nur für Entwickler:innen. Barcamps gibt es inzwischen in nahezu allen Bereichen: vom EduCamp (Lehre & Lernen) bis zum SpaCamp (Wellness & Gesundheit). Wer einen offenen Austausch fördern will, ist hier richtig.

🧪Anwendungsbeispiel für ein Barcamp
Das EduCamp ist ein etabliertes Barcamp-Format im deutschsprachigen Raum, das sich auf Themen rund um Bildung und Lernen konzentriert und sich als Konferenz zum Mitmachen sieht. Seit 2008 finden auch im deutschsprachigen Raum regelmäßig EduCamps statt, bei denen sich Lehrende, Lernende und Bildungsinteressierte treffen, um gemeinsam über innovative Lehr- und Lernmethoden zu diskutieren. Die Veranstaltungen fördern den offenen Austausch und die Zusammenarbeit zwischen allen, die sich mit dem Thema Bildung beschäftigen.

Open Space

Die Kaffeepausen bringen manchmal nützlichere Ideen hervor als das reguläre Programm. Das ist das Prinzip von Open Space. Diese Konferenzform fördert kreative Lösungen, weil verschiedene Perspektiven gebraucht werden und keine einfachen Antworten auf dem Tisch liegen.

Anders als das lockere Barcamp, bringt Open Space eine klarere Grundstruktur mit und überlässt trotzdem den Teilnehmenden die Verantwortung.

Wie läuft die Open Space-Methode ab?
Am Anfang sitzen alle in einem Kreis. Sind es mehr als 50 Teilnehmende, bilden sie konzentrische Kreise, sodass sich alle sehen können.

Nach einer knappen Einführung wird es konkret und die Marktphase beginnt.
Wer ein Thema einbringen möchte, geht in die Mitte des Kreises, stellt es kurz vor und hängt es an die Dokuwand. Das ist eine Art Pinnwand und das zentrale Planungstool der Veranstaltung.

Ab diesem Moment organisiert sich alles selbst.
Die Gruppen entstehen spontan rund um die vorgeschlagenen Themen. Wer mitdiskutieren möchte, trägt sich ein, findet einen Ort, bestimmt eine Zeit und legt los. Wer merkt, dass er oder sie nichts (mehr) beizutragen hat, gesellt sich zu einer anderen Gruppe.

Pausen gibt’s auch, aber nicht nach Plan.
Jede Gruppe entscheidet selbst, wann und wie sie arbeitet und wann sie eine Pause einlegen möchte. Tageweise fasst jede Gruppe ihre Ergebnisse, Ideen und Beschlüsse zusammen. Die Dokumentation landet auch wieder für alle sichtbar an der Wand.

Zum Schluss bekommen die Teilnehmenden eine komplette Dokumentation der Ergebnisse aller Gruppen und entwickeln abschließend gemeinsam entsprechende Handlungsschritte und gemeinsame Vereinbarungen.

ℹ️Kurz-Info: Open Space

🎯Wofür eignet sich die Methode?
Fürs Sammeln kreativer Ideen, um Wissen zu vermitteln oder gemeinsam mit anderen zu einer Entscheidung zu kommen.

👥Für wen eignet sie sich?
Verbände, Vereine, Unternehmen und Bildungseinrichtungen dürften hier am ehesten auf ihre Kosten kommen.

🧪Anwendungsbeispiel für Open Space
Die Unconference der Uni Basel setzt auf die Prinzipien der Open Space-Methode. Fragen und Themen zum Diskutieren können die Teilnehmenden schon seit 2015 einbringen. Was mal als Format für IT-Mitarbeitende gestartet ist, steht mittlerweile allen an der Uni offen.

World Café

Ein gutes Gespräch kann vieles verändern. Im World Café steht darum der Dialog im Mittelpunkt. Das Format zeichnet sich durch eine Kaffeehaus-Atmosphäre aus und ist offen, inspirierend und beweglich.

An dieser Stelle möchten wir Patricia Munro, Executive Board Member des World Cafés Europe, zitieren: „Das Herzstück des World Café-Dialogprozesses bilden inspirierende Fragen, vorbehaltloses Zuhören und intensive Gespräche. Im Verlauf aufeinander folgender Gesprächsrunden werden mehrmals die Sitzplätze getauscht, so dass sich die Zusammensetzung der Tische immer wieder verändert und Ideen und Sichtweisen weitergetragen werden. Auf diese Weise erlangt das Verständnis der Gruppe neue Dimensionen und für jeden Teilnehmer tun sich neue Blickwinkel auf. Aus dieser Bewegung von Menschen und Ideen entsteht eine kollektive Kreativität, eine Art gemeinsames Kraftfeld. Neue Möglichkeiten werden sondiert, innovative Ansätze tauchen auf, Ideen werden geboren. Dies erzeugt und fördert die intrinsische Motivation, neue Gedanken in die Tat umzusetzen.“

Das Format basiert also auf dem Prinzip: Menschen kommen ins Gespräch, Ideen kommen in Bewegung. So entsteht ein Netzwerk aus Perspektiven und ein gemeinsames Nachdenken.

Das World Café wirkt, weil es so einfach ist. Mehr als einen klaren Ablauf, eine entspannte Atmosphäre und kluge Fragen braucht es nicht, um Themen zusammen zu erschließen.

Hier können Sie ein World Café in Aktion erleben:

ℹ️Kurz-Info: World Café

🎯Wofür eignet sich die Methode?
Um gemeinsam Ideen zu generieren, Entscheidungen zu treffen, Kooperationen zu fördern und Konzepte zu verinnerlichen.

👥Für wen eignet sich ein World Café?
Bürgerschaftliches Engagement, interdisziplinäre Teams, Bildungsinstitutionen oder Unternehmen mit verschiedenen Abteilungen – am Beispiel eines PCO (Professional Congress Organizer): Vertrieb, Projektmanagement, Anmeldung der Teilnehmenden, Programm- und Speakermanagement, Sponsorenmanagement

🧪Anwendungsbeispiel für ein World Café
Das Deutsche Rote Kreuz hat für seinen Methodenpool Strategie 2030 ein Konzept für ein World Café mit verschiedenen Thementischen vorgestellt. Zentrales Aufgabe ist es, an einer gemeinsamen Zukunftsversion für das DRK zu arbeiten. Dazu tauschen sich die Teilnehmenden in kleiner Runde mit bis zu 10 Personen in 30 Minuten zu einer bestimmten Fragestellung aus.

Fishbowl

Zuhören oder mitdiskutieren ist jederzeit möglich.
Bei der Fishbowl-Methode gibt es zwei Stuhlkreise: Der äußere ist für die Zuhörenden, im inneren sitzen die Diskutierenden.

Wer etwas zur Diskussion beitragen möchte, wechselt den Platz.
Entweder setzt sich die Person auf einen freien Stuhl im Innenkreis oder stellt sich hinter den Stuhl der Person, die gerade spricht. Wer spricht, darf seinen Gedanken zu Ende bringen, überlässt der Person danach aber den Platz.

Das sorgt für Bewegung. Die Methode wirkt ganz ohne Moderation regulierend: Vielredner treten automatisch einen Schritt zurück, neue Sichtweisen bekommen Raum. So sprechen nicht die Lautesten, die „Vielredner“ oder „Wichtigtuer“, sondern die, die wirklich etwas zu sagen haben. Das macht die Fishbowl-Methode besonders effektiv bei kontroversen Themen oder wenn es darum geht, die Vielfalt von Meinungen sichtbar zu machen.

ℹ️Kurz-Info: Fishbowl

🎯Wofür eignet sich die Fishbowl?
Um Streitfragen zu klären, Argumente auszutauschen, Alternativen abzuwägen.

👥Für wen eignet sich eine Fishbowl?
Für Organisationen mit flachen oder festgefahrenen Hierarchien, Teams im Wandel, Entscheidungsgremien.

🧪Anwendungsbeispiel für eine Fishbowl
Ein mittelständisches Unternehmen könnte das Format etwa nutzen, um eine neue Überstundenregelung zu diskutieren.

Fazit: Echte Alternativen zu klassischen Konferenzformaten

Alternativen zu klassischen Konferenzformaten sind längst keine Exoten mehr. Sie etablieren sich zunehmend auch bei wissenschaftlichen Konferenzen, wo bisher Folien dominierten und Diskussionen an der Zeitplanung scheiterten.

Was alle vorgestellten Methoden gemeinsam haben: Sie holen die Teilnehmenden aus der passiven Rolle des Zuhörenden. Sie fördern Austausch, eröffnen Handlungsspielräume und schaffen so produktive Energie und echte Ergebnisse.

Ob World Café, Barcamp oder Fishbowl: Diese Formate machen das Wissen der Gruppe sichtbar, motivieren zur Umsetzung und erzeugen oft mehr als nur ein gutes Gespräch. Sie setzen Impulse, die weit über die Konferenz hinaus wirken.

Die Vorteile der Methoden liegen dabei klar auf der Hand:

  • das gemeinsame Gespräch wird gefördert
  • alle Teilnehmendne handeln selbstverantwortlich und bringen sich wirklich ein
  • Handlungspläne werden erarbeitet und verabredet. Im besten Falle kommt ein Gefühl der Selbstverantwortung und des „Anpackens“ in Gang, welches sich auf den kompletten Arbeitsalltag auswirkt.

Unser Dank gilt

www.worldcafe.eu
Für Erläuterungen zum World Café sowie das Bild für diesen Beitrag.

www.boscop.org
Hier findet man brillante Erklärungen sowie etliche Beispiele & Vorlagen.

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💬Auch interaktiv: Q&A-Sessions. Mit ein paar Tipps entstehen auch dabei lebendige Diskussionen.

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