Lohnt sich das Event-Feature von LinkedIn für meine Konferenz?

In einer Meldung vom November 2018 hatte LinkedIn die Wiederauferstehung des Event-Features erstmals angekündigt. Inzwischen dürften sich nur noch wenige daran erinnern, dass es die Funktion früher schon mal gab. Auch LinkedIn lässt das in der Nachricht unerwähnt. Bis die Neuauflage des 2012 eingestellten ursprünglichen Features wieder offiziell startete, ist dann aber doch noch fast ein ganzes Jahr verstrichen. Im Zuge eines Pilotprogramms war das Erstellen neuer Veranstaltungen Mitgliedern aus ausgewählten Regionen vorbehalten, bevor im Oktober 2019 damit begonnen wurde, die Event-Funktion auch für andere LinkedIn-Nutzer*innen nach und nach freizuschalten.

Daher ist es gar nicht so ungewöhnlich, wenn Sie das Event-Feature derzeit noch nirgends in Ihrem Profil entdecken können. Das Empfangen von Einladungen hingegen funktioniert schon für alle Mitglieder. Das heißt, auch wenn Sie noch nicht zum Kreis der Auserwählten gehören sollten, ist es durchaus möglich, dass eine Einladung zu einer LinkedIn-Veranstaltung in Ihrem Postfach landet und Sie dadurch Zugang zu einer Event-Seite erhalten.

Was kann das Event-Feature von LinkedIn?

Mit der neuen Funktion legen Mitglieder bei LinkedIn eine Seite für ihre eigene Veranstaltung an. Unter ein solches Event fallen Seminare genauso wie Konferenzen oder Kongresse. Die Hauptsache ist, dass es sich um eine geschäftliche Veranstaltung handelt und nicht um die nächste private Geburtstagsfeier. Für die ist Facebook die bessere Anlaufstelle.

Beim Erstellen eines neuen Events erscheint zunächst ein Formular, in das allgemeine Details eingetragen werden. Angaben wie Titel, Beschreibung, Datum, Uhrzeit und Ort sind immer Pflicht. Weil direkt in LinkedIn keine Kartenverkäufe abgewickelt werden können, lässt sich optional ein Link zu Ihrer Website einfügen, über die Sie die Tickets verkaufen. Zusätzlich zu allen Angaben kann die Event-Seite später noch durch eine Header-Grafik und ein Logo-Profilbild aufgehübscht werden. An das Erstellen der Seite schließt sich außerdem gleich das Einladen an. Filtern Sie dazu Ihre Kontaktliste nach bestimmten Kriterien. Zu einer von Ihnen erstellten Veranstaltung wird also nicht automatisch jeder ihrer Kontakte eingeladen. Das ist sinnvoll, denn mit steigender Beliebtheit des Features könnte das ganz schnell in ein Postfach voller Event-Spam ausarten. In Form eines Beitrags weisen Sie Ihr gesamtes Netzwerk auf unaufdringlichere Art auf eine Veranstaltung hin. Hat eine Person zugesagt, kann sie ebenfalls beim Bekanntmachen der Veranstaltung zu helfen, indem sie entweder selbst einen Beitrag für ihr Netzwerk verfasst oder direkt Einladungen zum Event an ihre eigenen Kontakte schickt.

Für jede Veranstaltung legen Sie weiterhin fest, ob die Event-Seite öffentlich sichtbar ist oder nur eingeladenen Personen bzw. jemanden mit einem Link zum Event zugänglich sein soll. Wenn Sie möchten, denken Sie sich noch einen eigenen Event-Hashtag aus, was praktisch ist, seit bei LinkedIn auch Hashtags verfolgt werden können. Damit lassen sich sämtliche Beiträge, die Mitglieder zu einer Konferenz schreiben, leichter verfolgen. Die Unterhaltung über eine Veranstaltung ist somit nicht ausschließlich auf die Event-Seite beschränkt, sondern kann überall in LinkedIn fortgesetzt werden – was dann wiederum für noch mehr Sichtbarkeit sorgt.

Wie praktisch ist das für Konferenzen?

Mit seinen Optionen kann das LinkedIn-Feature zwar schon einiges, ein revolutionärer Fortschritt verglichen mit der früheren Version ist das aber eher nicht so wirklich. Zumal wahrscheinlich die meisten gar nicht wissen, dass es überhaupt (wieder) da ist, weil es sich sehr unscheinbar am unteren Rand der Seitenleiste versteckt und LinkedIn bisher weder explizit darauf hinweist noch dazu auffordert, doch mal eine Veranstaltung anzulegen. Vielleicht haben Sie durch den Artikel hier auch zum ersten Mal davon erfahren.

Dabei ist der Ansatz, das Event-Feature wieder aufleben zu lassen, gar kein schlechter und eine durchaus sinnvolle Erweiterung. Was den Aufbau der Funktion betrifft, hat LinkedIn möglicherweise ein wenig in Richtung Facebook geschielt. Dort ist das Event-Feature sehr ähnlich strukturiert. Im Konferenz-Kontext scheint es bei LinkedIn sogar noch etwas besser aufgehoben zu sein, eben weil private Feiern außen vor bleiben. Das ist bei der XING-eigenen Event-Funktion zwar auch der Fall, allerdings hat LinkedIn hier den Vorteil der Internationalität, da sich der Mitgliederkreis nicht nur vorwiegend auf den deutschsprachigen Raum beschränkt. Gerade bei internationalen Tagungen und Kongressen ist es von Vorteil, alle Teilnehmenden auf einer einzigen Plattform zu versammeln. Weil das Teilen von Events so leicht ist, registrieren sich dank LinkedIn vielleicht auch Personen, die ohne Einladung oder einen Beitrag in ihrem Newsfeed nie auf die Konferenz aufmerksam geworden wären. Im Hinblick auf die Anzahl der verkauften Tickets kann sich die neue Funktion für Organisatoren deshalb auch finanziell auszahlen.

Wer die Einladung annimmt, bekommt zudem eine Übersicht über die anderen Teilnehmenden und folglich einen guten Überblick, wer noch alles an der Konferenz teilnimmt. Das hilft allen, die sich vielleicht schon mal ein paar Gesprächsthemen zurechtlegen und gezielt andere ansprechen oder vielleicht sogar schon vor dem Beginn der Konferenz diskutieren wollen. Die Möglichkeit zum Vorab-Kennenlernen kann das Netzwerken vor Ort befeuern, wo es für einige manchmal nicht so leicht ist, neue Kontakte zu knüpfen und auf bis dato völlig Unbekannte zuzugehen. Andererseits –  und das ist ein weiteres Plus –  hilft die Event-Funktion von LinkedIn damit auch, neue Konferenz-Kontakte nicht gleich wieder aus den Augen zu verlieren und sich in Diskussionen noch ein wenig mit den Inhalten auseinanderzusetzen anstatt am letzten Veranstaltungstag nach Hause zu fahren, wo das eben Erlebte schnell wieder im Alltag unterzugehen droht. Generell kann die Event-Seite bei LinkedIn ein Anlaufpunkt für sämtliche Diskussionen und Eindrücke rund um die Veranstaltung werden.

LinkedIn-Konto vorausgesetzt

Die Beteiligung an Diskussionen auf der Event-Seite ist immer an einen LinkedIn-Login geknüpft und ohne gar nicht möglich. Eine Teilnehmerin, die sich nicht extra für die Konferenz bei LinkedIn registrieren will, wird demzufolge gleich von vornherein ausgeschlossen, weshalb das Netzwerk lieber nicht der einzige Ort sein sollte, an dem sich alle über die Konferenz austauschen. Wenn Sie mit der Event-Seite vor allem das Networking fördern wollen, ist das okay – dafür eignet sich LinkedIn perfekt, nur sollten Sie darauf verzichten, dort exklusive oder wichtige Nachrichten zu verkünden, die alle Teilnehmenden betreffen. Sobald nur eine Person darunter ist, die LinkedIn nicht verwendet, wäre jemand im Nachteil, was den Informationsfluss angeht.

Zum Problem werden könnte außerdem der LinkedIn-Algorithmus. Das Business-Netzwerk verspricht, dass dieser Teilnehmenden „relevante Benachrichtigungen“ zu einer Veranstaltung rechtzeitig anzeigt, verrät aber nicht, wie relevante von nicht relevanten Updates unterschieden werden. Insofern ist es denkbar, dass so manche Nachricht nicht alle erreicht, wenn ein Algorithmus selbstständig Updates gewichtet. Das ist gleich noch ein weiterer Grund, für wichtige Nachrichten (= die vom Veranstalter als wichtig eingestuft werden) auf andere, weniger algorithmengesteuerte Kanäle auszuweichen.

Auch wenn es eine eigene LinkedIn-Seite für das Event gibt, sind Beiträge, die dort veröffentlicht werden, immer an eine bestimmte Person gebunden. Das ist anders als bei den LinkedIn-Unternehmensseiten, wo es auch möglich ist, als Unternehmen einen Beitrag zu posten. Das kann positiv gesehen werden, denn so haben es Teilnehmende immer mit einer Einzelperson und nie mit einer anonymen Veranstaltung zu tun. Andererseits würden offizielle Posts des Teams besser herausstechen und eher als solche erkannt werden. Weil das letztlich Geschmackssache ist, wäre es zumindest schön, wenn das Team hier selbst die Entscheidung treffen könnte, ob ein gemeinsamer Team-Account verwendet wird oder nicht, jedoch hat LinkedIn keine solche Option vorgesehen.

Was außerdem fehlt, ist eine Mailinglisten-Funktion, mit der gezielt alle Teilnehmenden des Events persönlich kontaktiert werden können. Zusätzliche Infos zur Veranstaltung wie etwa eine Programmübersicht lassen sich für ein mit LinkedIn erstelltes Event leider nirgends im Profil unterbringen. Wer etwas Wichtiges mitzuteilen hat und sich nicht auf den Newsfeed-Algorithmus verlassen will, sollte für Nachrichten an alle lieber weiterhin den gewohnten Weg einschlagen und zum Beispiel die Mail-Funktion der verwendeten Konferenz-Software nutzen.

In seinem jetzigen Umfang ist das Event-Feature für einen internationalen Kongress kaum sinnvoll nutzbar. Die Konferenz-Website ersetzen kann es ebenso wenig. Kleinere Tagungen könnten stattdessen durchaus schon mal einen Versuch wagen und auf LinkedIn eine Plattform zum Austausch zu schaffen. Ansonsten bleibt abzuwarten, was LinkedIn künftig mit dem Event-Feature vorhat. Wird es weiterentwickelt? Wird in Zukunft mehr Gewicht auf Veranstaltungen gelegt? Wird LinkedIn zum zentralen Ort, an dem nach interessanten Konferenzen gesucht wird? Wie wäre es zum Beispiel, wenn Sie in Ihrem Feed darauf hingewiesen werden, dass jemand aus Ihrer Kontaktliste eine Veranstaltung besucht, die sich mit einem für Sie interessanten Thema beschäftigt? Oder wenn unter Ihren verfolgten Hashtags bald auch vermehrt Veranstaltungsvorschläge auftauchen? Hilfreiche Ansätze, wie sich die Event-Funktion besser in das übliche LinkedIn-Geschehen einfügt, gäbe es viele. Bleibt zu hoffen, dass die Plattform diesmal auch einige davon aufgreift, anstatt sich nach ein paar Jahren einfach wieder leise von der Funktion zu verabschieden.

Einen Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert*.