Wegwerfen muss nicht sein

Ideen zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen bei Konferenzen

Ähnlich besorgniserregend wie die Zahl, die die FAO in ihrer Studie nennt, ist der Wert, den die WWF 2015 in ihrer Untersuchung zur Lebensmittelverschwendung für Deutschland errechnet hat. Hierzulande landen jedes Jahr über 18 Millionen Tonnen Nahrungsmittel im Müll. Das ist ebenfalls ein Drittel des Lebensmittelverbrauchs des ganzen Landes. Im Durchschnitt sind das 313 Kilo pro Sekunde, von denen vieles noch genießbar wäre.

Lieber zu viel als zu wenig?

Dabei wäre ein großer Teil schon durch veränderte Gewohnheiten zu vermeiden. Und vermeiden ist schließlich besser als erst im Nachhinein zu überlegen, was mit den übrig gebliebenen Lebensmitteln passieren soll. In der Konferenz-Realität sieht es hingegen oft so aus, dass vor allem die besonders umfangreichen Catering-Angebote als positiv wahrgenommen werden. Ob am Ende alles gegessen wird, spielt keine Rolle. Falls dem doch mal so ist, wäre man wohl zunächst einmal versucht, dem Veranstalter zu unterstellen, zu wenig bestellt zu haben, denn ein ungewohnter Anblick ist so ein leeres Buffet in jedem Fall.

Ist andererseits noch viel da, wird anschließend auch viel weggeworfen. Angebracht wäre daher eher der Grundsatz „weniger ist mehr“. Einsparen von Nahrungsmitteln heißt nämlich vor allem, die benötigten Mengen möglichst genau zu planen.

Die Planung fängt bei der Registrierung an

Richtig mit dem Kalkulieren kann es erst losgehen, wenn die Online-Registrierung gestartet ist und Sie verlässliche Angaben darüber haben, wie viele Personen Sie begrüßen können. Nur die Zahl der Anmeldungen als Grundlage für die Berechnung zu nehmen, greift allerdings zu kurz. Wahrscheinlich nehmen gar nicht alle am Mittagessen oder am abendlichen Konferenzdinner teil. Beziehen Sie dagegen alle mit in die Rechnung ein, wird Essen übrig bleiben.

Planen Sie daher eigene Buchungsoptionen für die Mahlzeiten ein. Möglich wäre hier auch gleich die Auswahl von Menüs. Eine Wahl sollte es nämlich geben – wer kein Fleisch mag, wird vom Braten auf dem Teller wenig begeistert sein. Fragen Sie bei der Registrierung also, ob es vegetarisches Essen sein soll oder ob Allergien bestehen. Eine Event-Management-Software kann dabei helfen, dass die Anmeldung trotz mehrerer Optionen übersichtlich bleibt.

Kleiner und regionaler

Ob mit oder ohne Fleisch – planen Sie lieber kleinere Portionen ein. Beim Aufstehen vom Tisch sollte niemand das Gefühl haben, sich nicht mehr bewegen zu können. Gerade, wenn im Anschluss noch Veranstaltungen stattfinden, wäre das kontraproduktiv. Um zu garantieren, dass niemand nach dem Essen noch hungrig ist, kann ein Trick behilflich sein: Sind die Teller kleiner, essen wir automatisch weniger. Soll bei allen die Konzentration erhalten bleiben, verzichten Sie außerdem auf zuckerlastige Lebensmittel, die nur für einen kurzen, schnell abklingenden Energieschub sorgen. Auch die Desserts lassen Sie besser weniger üppig ausfallen, denn fettiges Essen macht antriebslos und müde. Gut sind Vollkornprodukte, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte.

Kosten und Transportwege sparen Sie, wenn Sie saisonale Zutaten aus der Region verwenden. Diese garantieren natürlich nicht, dass nichts übrig bleibt, sind aber nachhaltiger als Lebensmittel aus fernen Ländern und dürften zudem für internationale Teilnehmer interessant sein.

Vorbeugen und vermeiden

Entscheiden Sie sich für ein Buffet, sollten Sie dieses nicht zu früh wieder auffüllen. Ist ein Salat nicht mehr da, entscheiden sich die Besucher eben für einen anderen, der noch vorhanden ist. Auffüllen ist generell natürlich in Ordnung, nur sollte das nicht vorschnell getan werden.

Die beste Gelegenheit, übrig gebliebene Lebensmittel zu verwerten, sind übrigens mehrtägige Veranstaltungen. Das bedeutet nicht, dass es an Tag zwei noch mal genau dasselbe in aufgewärmter Form gibt. Die Zutaten dürfen allerdings dieselben sein und können für die Menüs der nächsten Tage verwendet werden. Aus dem übrigen Gemüse lassen sich dann beispielsweise Suppen zubereiten. Klären Sie am besten vorher mit der Küche ab, wie sich die Zutaten vom Vortag noch sinnvoll einsetzen lassen.

Wie ein kreativer Ansatz aussehen kann, beweist die im Sommer 2016 von der Harvard Law School organisierte „Reduce and Recover: Save Food for People“-Konferenz. Dort wurde nicht nur darüber diskutiert, wie die Verschwendung von Lebensmitteln reduziert werden könnte, sondern gleichzeitig demonstriert, wie man dabei ganz praktisch mit gutem Beispiel vorangehen kann. Das nicht mehr benötigte Obst und Gemüse aus der Cafeteria wurde für Salate verwendet, Gemüse-Verschnitt für Suppen und zum Frühstück gab es Brot und Brötchen vom Vortag, die wie einige andere überschüssige Lebensmittel von Organisationen aus der Umgebung stammten. Die große Vielfalt und Qualität der Mahlzeiten konnte bei allen 350 Teilnehmern punkten.

Tafeln und Boxen

Selbst bei der genauesten Planung bleibt am Ende Essen übrig. Tragisch ist das nicht, solange es anschließend nicht weggeworfen wird. Überlegen Sie sich, wie es danach stattdessen weitergeht. Vielleicht gibt es ja schon ein Konzept. Manchmal arbeiten Catering-Firmen oder Tagungsstätten mit Organisationen zusammen, die Lebensmittelspenden annehmen. Nicht benötigte Zutaten könnten auf diesem Weg über Tafeln noch an Bedürftige weitergegeben werden.

Auch Speisereste müssen nicht zwangsläufig in den Abfall wandern. Stattdessen kann sie sich jeder einpacken lassen und später essen, wenn der Hunger wieder kommt. Weil das immer noch keine gängige Praxis ist, aber vorangetrieben werden soll, hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft zusammen mit dem Infoportal Greentable die nachhaltig produzierte Beste Reste Box kreiert. In Österreich geht man sogar noch einen Schritt weiter. Dort gibt es die kompostierbare TafelBox. Diese kostet pro Stück 50 Cent, wovon 20 Cent als Spende an die Wiener Tafel gehen.

Reden Sie darüber

Wie auch immer Ihr persönlicher Plan gegen Lebensmittelverschwendung bei Veranstaltungen aussehen mag – es wäre doch schade, wenn von Ihren guten Taten niemand etwas mitbekommt. Erfahren andere, dass Sie aktiv gegen unnötige Nahrungsmittelabfälle vorgehen, bleibt das positiv im Gedächtnis und ist sicher nicht zum Schaden Ihrer Konferenz. Weisen Sie deshalb etwa einige Wochen vor dem Start darauf hin, dass sich alle rechtzeitig bei Ihnen abmelden, die doch nicht kommen können und erklären Sie bei der Gelegenheit, warum Ihnen das so wichtig ist. Gerade bei kostenfreien Veranstaltungen neigen angemeldete Teilnehmer dazu, manchmal gar nicht abzusagen, weshalb zu viel Essen übrig bleibt. Auch vor Ort dürfen Sie gerne noch einmal auf Ihre Aktionen zur Abfallvermeidung aufmerksam machen.

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